Ich wusste sofort: Etelka Kovacs-Koller ist eigensinnig. Allein ihre Website war ein Feuerwerk aus Kreativität und Eigensinn. Texte und Bilder explodierten förmlich, außerdem gehörte es zu ihrem Geschäftsmodell, ganzen Arbeits-Teams die Magie von Action-Painting nahezubringen … Teambuilding-Maßnahmen der ganz besonderen Art. Es war ihr wichtig, dass „Menschen sich selbst als Gestalter begreifen und erleben“.

Kreativität, Eigensinn und Malerei

Sie war nahbar, offen, flexibel, ebenso geschäftstüchtig wie kompromisslos. Und völlig unbeirrbar – in allem, was sie tat. Gleichwohl konnte sie Perspektiven, Themen, Sujets und die Art ihrer Kreativität variieren – je nachdem, was ihr Eigensinn gerade von ihr forderte. Von nur scheinbar abstrakten Acrylbildern zu farbig explodierender Blumenmalerei, von Malerei zu Text, immer die Kopfhörer auf den Ohren – mit eigens zusammengestellten Playlisten, die exakt zu dem passten, was sie gerade tat – tun musste.

Die unglaubliche Kraft

Leider ist Etelka Kovacs-Koller am 28. September 2023 gestorben. Und es fällt mir noch immer schwer, das zu schreiben. Sie hatte eine unglaubliche Kraft – davon zeugen noch heute all ihre Bilder. Und sie ließ nicht so schnell locker. Sie fragte zum Beispiel, wieder und wieder. Intensiv – und eigensinnig. Mich etwa fragte sie, kurz vor ihrem Tod: „Und wo sind die Frauen?“ wie wann und wo dürfen Frauen die Kraft der Obsession nutzen – jener Obsession, die auch Etelka Kovacs-Koller wieder und wieder zu Pinseln und Leinwand trieb.

Ich reagierte erst mal ziemlich hilflos auf diese Frage. Denn sie sah die Frage im Rahmen meiner Arbeit über den Eigensinn. Und ich wusste nicht so recht, wie ich das, was sie mir da schrieb, mit dem Eigensinn zusammenbringen sollte. Alle Alarmglocken in mir klingelten gleichzeitig. Denn es ging um nichts Geringeres als um Ekstase. Eine Frau, die mit allen Sinnen ausbrechen wollte, wirklich „mad for art“. Sich einerseits all ihrer Grenzen bewusst war, andererseits dagegen angehen wollte.

Einzigartig

Am Ende konnte ich mich der Frage von Etelka Kovacs-Koller nicht entziehen. Ich hatte nicht vergessen, wie sie damals reagiert hat, als ich ihr – sehr spontan – Band eins meiner Trilogie des Eigensinns schickte: „Ein Buch, ein Buch! Was für eine große Freude, den Briefkasten zu öffnen und völlig unerwartet ein Buch von der wunderbaren Maria Almana, illustriert von der ebenso wunderbaren Susanne Taggruber, vorzufinden! Über Eigensinn in Literatur und Philosophie – ein Buch wie für mich geschrieben, denn natürlich ist der eigene Sinn/der eigene Strich in der Malerei ebenso wichtig.“

Etelka Kovacs-Koller mit "Mein Kompass ist der Eigensinn", Band 1 der Trilogie des Eigensinns in der Hand

Etelka Kovacs-Koller war nicht nur eigensinnig, sie war einzigartig. Ja, das sind wir alle. Aber sie war einzigartiger als viele.

Wer mehr von ihr, über sie, über Ekstase, das Malen und das Alter lesen will – in Gelebter Eigensinn gibt es das.

Und hier mein Bild von, gekauft kurz vor ihrem Tod. Für mich ein Symbol der Hoffnung.

Malerei von Etelka Koller-Kovacs

 

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